Alex McWynns 116. Traum

Die Geschichte von Dylan On The Rocks

Es begann damit, dass McWynn seinen Fahrschein verschenkte. Er wusste ohnehin nicht mehr genau, wohin die Reise gehen sollte in diesen modernen Zeiten. Als er die Prophezeiungen auf den Ubahnhofswänden las, hielt ihm ein einbeiniger Bettler einen Pappbecher unter die Nase. Mir tut der arme Einwanderer leid, dachte McWynn und warf seinen Fahrschein in den Becher.

Es war noch nicht dunkel, also ging er zu Fuß. Als er von der Fifth Avenue in die 42nd Street einbog, kam er an all diesen Wachtürmen vorbei. Hezekiah Kapitel 2, Vers 16, sagte einer von ihnen, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Aber wahrlich, durch einen Schuss Liebe wirst du in dieser irregeleiteten Welt gerettet werden, denn selbst Ungläubige finden Gnade unter dem roten Himmel, wenn sie mit Weihnacht im Herzen gemeinsam durchs Leben gehen. Verwirrt blinzelte McWynn in die schräg zwischen den Wolkenkratzern einfallende Abendsonne. Vom Media Control Tower blickten gelatinegesalbte Prinzen mit goldenen Ringfingern herab.

Ein Typ mit Gitarrenkoffer blieb stehen und sagte, er sei Zimmermann. Aus Galiläa? fragte McWynn und dachte an die Späne. Aus dem Güterzug, erwiderte der Zimmermann. Plötzlich standen da auch Van Helm und Roy Schmidt. Wir sind zurück von der Insel, sagten sie, der Whisky ist alle, wir haben sogar an die Himmelstür geklopft. McWynn schaute die Straße rauf und runter, entdeckte aber keinen Schnapsladen. Dafür sah er Klaus, der wie aus dem Boden gewachsen plötzlich vor ihm stand. Das muss Santa sein, dachte McWynn.

Der Zimmermann tippte sich an die Hutkrempe und ging weiter. Bevor er in der Menge verschwand, drehte er sich nochmal um und rief: Alle müssen gesteinigt werden! Da wussten sie, welche Richtung sie einschlagen sollten. Sie begaben sich zur Wilbury Station, wo Ralf Drum gerade eine Zigarette drehte, und forderten ihn auf mitzukommen. Das fügt sich, sagte der, ich suche ohnehin eine neue Blutgruppe, wo soll´s denn hingehen? Durch eine simple Wendung des Schicksals stiefelte der Zimmermann wieder vorbei und meinte: die Antwort kennt nur der Wind. McWynn spuckte auf seinen rechten Zeigefinger, hielt ihn in die Luft und rief: Scheisse, wir müssen über den Atlantik! Kein Problem, sagte Santa Klaus, wir nehmen die nächste Ubahn.

Wie rollender Donner ratterten sie durchs Unterirdische. Juli saß ihnen gegenüber, obwohl draussen noch Schnee lag, typisch Frau. Sie hatte ihre Haltestelle vergessen und schloss sich sommerlächelnd der kleinen Gruppe an. Derweil erblühten auf der anderen Seite des atlantischen Meeres die ersten Knospen. Auf Bahnsteig 61 wartete Wolf Myers mit seinem Gepäck. Ein Lautsprecher warnte: Vorsicht, langsamer Zug fährt ein! Als Wolf zustieg, begrüßten ihn alle wie einen alten Bekannten, und sieben ist schließlich eine gerade Zahl. Die Ubahn nahm Fahrt auf wie eine Dampflok. Der Lokführer war diesmal nicht Herr Jones, sondern der blinde Willi, wofür sogar die Toten dankbar waren. Die Dinge hatten sich geändert. Es war kein Blut auf dem Gleis. Vor ihnen lag ein neuer Morgen, sie mussten nur alles vor der Flut nach Hause bringen. Dann würden sie sich hinsetzen und einen Drink genehmigen. Auf den Felsen natürlich.

So und nicht anders hat alles begonnen, und sogar ein Narr wie ich weiß, dass jedes Wort stimmt.